Fettleibigkeit begünstigt Zahnverlust

Immunsystem reagiert schwächer auf Infektionen

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Bestimmte Bakterien verursachen Zahnbetterkrankungen, die das Knochengewebe angreifen und zum Zahnverlust führen. Warum übergewichtige Menschen besonders stark davon betroffen sind, haben amerikanische Forscher in Experimenten mit Mäusen untersucht. Bei fettleibigen Tieren reagierte das Immunsystem deutlich schwächer auf eine Zahninfektion.

Die Bakterien konnten sich bei übergewichtigen Mäusen in den Zahnfleischtaschen stärker vermehren und mehr Knochen des Zahnhalteapparates zerstören als bei normalgewichtigen Mäusen. Auf welche Weise die Immunabwehr geschwächt wird, ist noch nicht geklärt, schreiben die Zahnmediziner in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).

Die Ergebnisse der Forscher von der Boston University weisen darauf hin, dass eine ernährungsbedingte Fettleibigkeit auch die Auffälligkeit für andere bakterielle Infektionen begünstigen kann, indem die Regulation des Immunsystems gestört wird. Die Wissenschaftler infizierten die Zähne von fettleibigen und normalgewichtigen Mäusen mit Porphyromonas gingivalis, einem wichtigen Erreger von Zahnbettinfektionen. Nach 10 Tagen hatten die übergewichtigen Tiere 40 % mehr Kieferknochenmasse verloren als die Vergleichstiere. Darüber hinaus war bei diesen Tieren die Bakterienzahl wesentlich stärker angestiegen.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Immunzellen bei Fettleibigkeit weniger effektiv auf die Infektion reagierten. Die Freisetzung von Immunbotenstoffen verlief gedrosselt, und die Gene, die Entzündungsreaktionen steuern, zeigten, verglichen mit denen schlanker Tiere, eine veränderte Aktivität. Die durch verschiedene Gene über Botenstoffe normalerweise streng regulierten Abläufe der Immunabwehr werden offenbar bei Fettleibigkeit gestört, so die Wissenschafter, die Ursachen dieser Fehlregulation seien jedoch noch nicht erforscht.

Bei übergewichtigen Frauen andere Bakterienfauna im Mund

Eine weitere Studie amerikanischer Wissenschaftler hat überdies gezeigt, dass sieben von 40 untersuchten Bakterien bei übergewichtigen Frauen deutlich häufiger vorkommen als bei Frauen mit normalem Gewicht, darunter besonders ein Bakterium, das auch mit Zahnfleischerkrankungen in Zusammenhang gebracht wird.

Die Forscher untersuchten die Speichelproben von 313 Frauen mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 27 und 32. Bei einem BMI von über 30 wird nach der gängigen Definition von Fettleibigkeit gesprochen. Als Kontrollgruppe dienten 232 normalgewichtige Probandinnen aus einer Studie zu Zahnfleischerkrankungen. Mittels DNA-Proben bestimmten die Forscher den Anteil und die Anzahl von 40 Bakterienarten im Speichel. Der Anteil von sieben dieser 40 Bakterien war im Speichel von Übergewichtigen messbar höher als bei Normalgewichtigen. Ein Bakterium namens Selenomonas noxia scheint im Zusammenhang mit Übergewicht in besonders hoher Konzentration aufzutreten. 98 Prozent aller übergewichtigen Frauen konnten allein aufgrund des erhöhten Anteils dieses Bakteriums im Vergleich zu den Normalgewichtigen identifiziert werden.

Von Selenomonas noxia war bisher bekannt, dass es bei Zahnfleischerkrankungen in erhöhtem Maße auftritt. Dass dieses Bakterium jetzt in erhöhter Konzentration bei übergewichtigen Frauen festgestellt wurde, bestätigt die Vermutung, dass Menschen, die an Übergewicht leiden, auch ein höheres Risiko für Zahnfleischerkrankungen haben. Sowohl Übergewicht als auch das Auftreten von Zahnfleischerkrankungen gehen mit erhöhten Pegeln von Stoffen einher, die Entzündungsreaktionen auslösen. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass es entzündungsfördernde Stoffe im Fettgewebe sind, die auch die Zähne angreifen. Möglicherweise könnten aber auch Zahnfleischerkrankungen durch die erhöhten Entzündungswerte zu Übergewicht führen, sagen jetzt die Wissenschaftler der amerikanischen Forschergruppe. Wenn Bakterien tatsächlich an der Entstehung von Übergewicht beteiligt sind, könnten sich ganz neue Möglichkeiten für die Therapie ergeben, folgern die Forscher aus ihren Ergebnissen.

Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) / wissenschaft.de