Parodontitis schadet der Allgemeingesundheit
Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenentzündung

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Entzündungen des Zahnhalteapparates können den Verlauf von systemischen Erkrankungen wie Herz-, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen deutlich negativ beeinflussen. Wie wissenschaftliche Studien zeigen, erhöht Parodontitis das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Sie kann ebenfalls bei älteren Menschen ein entscheidender Risiko-Faktor für die Entstehung einer Lungenentzündung sein. Parodontitis steht auch im Verdacht, zu rheumatischen Erkrankungen beizutragen und das Risiko für Diabetes und Frühgeburten zu erhöhen.
Herzinfarkt und Schlaganfall
Eine zahnmedizinische Studie der Universität Witten-Herdecke ist zu dem alarmierenden Ergebnis gelangt, dass bei einer bestehenden schweren Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, 1,8-mal höher ist als bei Menschen mit gesundem Zahnfleisch. Das Risiko für einen Schlaganfall liegt sogar 2,8-mal höher, so die weiteren Erkenntnisse der zahnmedizinischen Studie.
Zu einer Verbindung von Zahnfleisch und Gefäßsystem kommt es durch Bakterien im Zahnfleisch, die sich unter Sauerstoffausschluss vermehren. Die Ergebnisse verschiedener anderer Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie direkt durch die Wände der Blutgefäße eindringen und dort eine Arterienverkalkung begünstigen können. Menschen unter 60 Jahren leiden bei fortgeschrittener Parodontitis fast siebenmal häufiger an einer Herzkrankheit als Teilnehmer ohne Zahnfleischentzündung, so die Ergebnisse einer an der Universität Kopenhagen durchgeführten Studie.
Kieler Wissenschaftler haben sogar nachgewiesen, dass Parodontitis und Herzinfarkte auf dieselben Veränderungen im Erbgut zurückgehen können. Die Forscher vom Institut für Klinische Molekularbiologie der Universität Kiel untersuchten bei Patienten mit aggressiver Parodontitis Genveränderungen auf Chromosom 9 und entdeckten, dass die mit diesem Krankheitsbild assoziierte genetische Variante identisch ist mit der von Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlebt hatten. Die Forschergruppe hatte die aggressive Form der Parodontitis untersucht, eine in sehr jungem Alter einsetzende, sehr heftig verlaufende, entzündliche Krankheitsform der Parodontitis.
Es ist nach Ansicht der Kieler Wissenschaftler anzunehmen, dass es zwischen der aggressiven Form der Parodontitis – einer in sehr jungem Alter einsetzende, sehr heftig verlaufende, entzündliche Krankheitsform der Parodontitis – und dem Herzinfarkt einen ursächlichen Zusammenhang gibt. Wegen seiner Verbindung zum Herzinfarkt sollte die Parodontitis auf jeden Fall von Zahnärzten sehr ernst genommen, frühzeitig diagnostiziert und so bald wie möglich behandelt werden.
Lungenentzündung
Einen weiteren wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Allgemeingesundheit entdeckten Forscher von der Universität Barcelona: Bei Menschen, die unter Parodontitis leiden, traten Lungenentzündungen fast zehnmal häufiger auf als bei Menschen mit einem gesunden Zahnhalte-Apparat.
Eine wissenschaftliche Studie japanischer Forscher kommt zu dem Ergebnis, dass Parodontitis insbesondere bei älteren Menschen ein entscheidender Risiko-Faktor für die Entstehung einer Lungenentzündung ist. Parodontitis ist demnach bei Erwachsenen nach dem 45. Lebensjahr nicht nur die häufigste Ursache für Zahnverlust, sondern auch eine ernstzunehmende Gefahr für die Allgemeingesundheit.
Über 80 % der Senioren leiden in Deutschland bereits an einer Parodontitis an mindestens einem Zahn. Nach den Ergebnissen der japanischen Wissenschaftler ist bei älteren Menschen die Sterblichkeitsrate durch Lungenentzündung fast um das Vierfache erhöht, wenn zehn oder mehr Zähne eine Parodontitis aufwiesen. Das Einatmen von Parodontitis-Bakterien ist also ein entscheidender Risikofaktor, der bei älteren Menschen zur Lungenentzündung führen kann, vor allem dann, wenn diese pflegebedürftig oder bettlägerig sind.
Rheuma
Entzündungen des Zahnfleischs können ebenfalls sehr zu rheumatischen Erkrankungen beitragen. Wie US-amerikanische Forscher im „Journal of Periodontology“ berichten konnten, verringert eine Parodontitis-Behandlung die Beschwerden von Menschen mit rheumatischer Arthritis deutlich und ermöglicht auf diese Weise bei rheumatischen Beschwerden neue Behandlungsoptionen.
Bei Patienten, die sowohl starkes Rheuma als auch eine ausgeprägte Parodontitis haben, lindert eine Reinigung des Zahnfleischs und die Behandlung der Infektionen im Mundraum demnach sowohl die Schmerzen als auch die Zahl der geschwollenen Gelenke und die morgendliche Steifheit.
Diabetes und Frühgeburten
Bakterielle Zahnfleischerkrankungen erhöhen neueren Studien zufolge auch das Risiko für Diabetes und Frühgeburten, weitere Hinweise darauf, dass eine gute Mundgesundheit ein entscheidender Faktor für die allgemeine Gesundheit eines Menschen ist.

