Forschung & Umfragen

Analyse deckt Schwächen in Deutschlands Gesundheitsversorgung auf

Obwohl Deutschland Milliarden in das Gesundheitswesen investiert, sind die Ergebnisse ernüchternd. In einer aktuellen Analyse werden die systematischen Schwächen der deutschen Gesundheitspolitik beleuchtet.
Von Öffentlichkeitsarbeit (pd)
Erstellt am 25.04.2025
Quelle: BIPS – Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie
Bausteine, die wichtige Elemente des Gesundheitswesens abbilden. © oatawa – stock.adobe.com

Gesundheitsausgaben nicht wirkungsvoll

Zu wenig Vorsorge, dafür eine zu große Konzentration auf die Behandlung von Krankheiten mit zum Teil ineffizienten Strukturen. Eine gesundheitspolitische Übersichtsarbeit unter der Leitung von Prof. Dr. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS fasst die Schwächen von Deutschlands Gesundheitssystem so zusammen.

Zwar ist das Sozialsystem gut ausgebaut und die Gesundheitsausgaben pro Kopf die dritthöchsten innerhalb der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), doch sind die Menschen kränker und sterben früher im Vergleich zu vergleichbaren europäischen Staaten.

Zu wenig Prävention

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen die Hauptprobleme in der fehlenden zentralen Steuerung, dem Fokus auf Reparaturmedizin statt auf Prävention und in den Lobbys, die wirksame Maßnahmen wie die Zuckersteuer oder die Regulierung von Tabak und Alkohol verhindern. „Die Folge ist ein Gesundheitssystem, das zwar enorm teuer ist, aber zu wenig für die langfristige Gesundheit der Bevölkerung tut“, sagt Erstautor Zeeb.

„Wir brauchen eine Neuausrichtung“

Damit eine Verbesserung eintritt, schlagen die Autorinnen und Autoren der Übersichtsarbeit unter anderem vor, eine nationale Public-Health-Strategie aufzustellen, in der die Prävention und Gesundheitsforderung im Mittelpunkt steht. Darüber hinaus brauche es Mut der Politik, die kommerziellen Interessen zu regulieren und ein gesamtgesellschaftliches Umdenken, so dass neben dem Gesundheitswesen unter anderem die Bildung, Arbeit und die Umweltpolitik die Gesundheitsförderung als eine ihrer Aufgaben verstehen. „Deutschland kann sich sein aktuelles System auf Dauer nicht leisten – weder gesundheitspolitisch noch wirtschaftlich“, sagt Zeeb. „Wir brauchen eine Neuausrichtung hin zu mehr Prävention, wenn wir nicht weiter in der Kostenspirale gefangen bleiben wollen.“

   

Die vollständige Übersichtsarbeit

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Die Arbeit „Public health in Germany: structures, dynamics, and ways forward“ von Prof. Dr. Hajo Zeeb und seinem Team ist in der Fachzeitschrift Lancet Public Health erschienen. Diese finden Sie unter derm folgenden Link: