Forschung & Umfragen

Beeinträchtigtes Kauen und Beißen durch Zahnfehlstellungen

Ein interdisziplinäres Team aus Zahn- und Humanmedizinerinnen und -medizinern sowie Statistikerinnen und Statistikern hat beim EFAFU-Projekt der Greifswalder Zahnmedizin den Effekt von Zahn- und Kieferfehlstellungen auf die Mundgesundheit untersucht.
Von Öffentlichkeitsarbeit (PD)
Erstellt am 06.10.2025
Quelle: Universität Greifswald
Frau mit Kieferschmerzen © SHOTPRIME STUDIO – stock.adobe.com

Beobachtungszeitraum von bis zu 23 Jahren

Das EFAFU-Projekt gehört zu den umfangreichsten bevölkerungsbasierten Kieferorthopädie-Studien weltweit. Die Studie, welche nun abgeschlossen wurde, beinhaltete unter anderem kieferorthopädische Untersuchungen von 5.500 Kindern und Jugendlichen, zahnmedizinische Daten von 1.200 SHIP-Teilnehmenden über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren und moderne 3D-Scans von 1.500 weiteren Erwachsenen. 

Ziel war es, langfristige Auswirkungen von Gebissanomalien auf Zahnverlust, den Zahnhalteapparat und das Kariesrisiko abzuschätzen. Herausgekommen ist dabei, dass bestimmte Fehlstellungen im Gebiss das Kauen und Beißen verschlechtern. „Damit griff EFAFU in drei Teilprojekten eine Forschungslücke zu Über-, Unter- und Fehlversorgung in der Kieferorthopädie auf – und das in einem Beobachtungszeitraum von bis zu 23 Jahren“, sagt Prof. Karl-Friedrich Krey, Direktor der Greifswalder Poliklinik für Kieferorthopädie.

Verringerte Lebensqualität

Das Forschungsteam nutzte Daten von SHIP (Study of Health in Pomerania) und erweiterte diese um moderne 3D-Oralscans. Außerdem bezieht die Studie verschiedene Altersgruppen mit ein. Das zentrale Ergebnis der Studie: Zahn- und Kieferfehlstellungen haben Auswirkungen auf Zahnverlust, Karies und Kaueffizienz. Außerdem gibt es diverse Assoziationen mit der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität. 

Unter anderem führen Zahn- und Kieferfehlstellungen beispielsweise zu Einschränkungen bei der Lebensmittelauswahl aufgrund von Schmerzen. Zudem fühlen sich viele Menschen dadurch unwohler und unattraktiver. Zudem habe das KIG-System, welches als Grundlage der Kostenübernahme in der Kieferorthopädie dient, Schwächen bei der Einschätzung des Behandlungsbedarfs, wie Krey betont: „Das KIG-System berücksichtigt bei der Beurteilung viele wichtige Faktoren wie Gesichtsasymmetrien, Zahnabstände oder Atmen und Schlucken nicht.“ 

Das bedeutet für die Versorgung einerseits, dass manche Patientinnen und Patienten, die von einer kieferorthopädischen Behandlung profitieren würden, nach dem KIG-System als nicht behandlungsbedürftig eingestuft werden. „Umgekehrt kann es aber auch bedeuten, dass Patienten, die eigentlich keinen Therapiebedarf haben, am Ende als behandlungsbedürftig eingestuft werden“, so Krey. „Im Grunde bedarf es einer individuellen Diagnostik mit präzisen Analysen.“