Forschung

Dentalscham: Ein Teufelskreis

Viele Menschen schämen sich aufgrund von Problemen mit der Mundgesundheit. Die Scham kann laut einer Studie dazu führen, dass Betroffene notwendige Behandlungen meiden.
Von Öffentlichkeitsarbeit (PD)
Erstellt am 19.11.2025
Quelle: zm online
Frau hält sich den Mund zu © Racle Fotodesign – stock.adobe.com

Tiefgreifende Folgen für die Mundgesundheit

Eine unabhängige Analyse des Zusammenspiels zwischen Mundgesundheit und Scham ist dringend erforderlich – da ist sich ein interdisziplinäres Forschungskollektiv aus Kopenhagen, Exeter und Plymouth einig, denn: Dentalscham ist noch wenig erforscht und doch weit verbreitet mit großen negativen Auswirkungen auf die Mundgesundheit.

 „Wir behaupten, dass die Betrachtung der bedeutendsten Herausforderungen der Zahnmedizin – soziale Ungleichheiten in Bezug auf die Mundgesundheit, Stigmatisierung, unzureichende tägliche Mundpflege und fehlende Bindung an zahnmedizinische Versorgungssysteme – durch die Linse der Scham ein tieferes Verständnis ihrer komplexen und vielfältigen Dynamiken ermöglichen kann“, so heißt es in einem Positionspapier der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Scham biete eine Erklärung in Fällen, in denen Personen nicht vor der Behandlung selbst Angst haben, sondern eher davor, ihre Zähne zu zeigen oder relevante Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Details zu ihrer Ernährung offenzulegen.

Gefahr bestehe dann darin, dass bei der zahnmedizinischen Behandlung zusätzlich Aussagen getroffen werden, die Schamgefühle bei den Patientinnen und Patienten auslösen – das kann auch ungewollt geschehen. Schamgefühl führt letztlich in den meisten Fällen zu negativen Folgen wie ein Zurückziehen der Personen.

Drei mögliche Szenarien

Das Forschungskollektiv hat in dem Zusammenhang drei Situationen identifiziert, in denen Dentalscham typischerweise auftreten kann:

  1. Direkte Probleme der Mundgesundheit oder ästhetische Zahnprobleme, beispielsweise Beschädigungen, Karies, Verfärbungen oder fehlende Zähne sowie Mundgeruch und Funktionsstörungen der Zähne beim Essen, Trinken oder Sprechen.
  2. Soziale und wirtschaftliche Benachteiligungen, die den Umfang beeinflussen, wie gut jemand seine Mundgesundheit erhalten oder verbessern kann. Armut, Traumata, geringe Bildungsniveaus und schädliche Bewältigungsstrategien wie Drogenkonsum können diesen Einfluss verstärken. Ähnliche Muster finden sich auch in der Allgemeinbevölkerung in Bezug auf Ess-, Trink- oder Rauchgewohnheiten.
  3. Dentalscham kann auch stellvertretend auftreten und zu Unsicherheit im Umgang mit Menschen mit Mundgesundheitsproblemen führen. Insgesamt zeigen die Autoren, dass Scham zu geringerem Selbstwertgefühl, sozialer Isolation und ungünstigem Mundgesundheitsverhalten beitragen kann.

Sich selbst verstärkende Spirale

Selbstverstärkender Kreislauf Die Forscher empfehlen: In Zahnarztpraxen und Gesundheitseinrichtungen sollten Fachkräfte in Dental-Schamkompetenz geschult werden, um schädliche Auswirkungen zu verringern.

Dentalscham ist sowohl Ursache als auch Folge von Mundgesundheitsproblemen – einerseits lösen Mundprobleme Scham aus, andererseits erschweren Schamgefühle die tägliche Pflege und die Inanspruchnahme von Behandlungen. Dadurch kann sich ein Teufelskreis bilden.

„Da unsere Zähne gut sichtbar sind und einen zentralen Einfluss auf unser allgemeines Erscheinungsbild und Wohlbefinden haben, beeinträchtigt die Dentalscham unser Selbstwertgefühl, unsere sozialen Interaktionen, unseren Zugang zum Arbeitsmarkt, zu Pflegesystemen und sozialen Diensten“, heißt es in der Studie. Die Abwärtsspirale durch Dentalscham betrifft somit mehrere Lebensbereiche.

Dentalscham und seine Folgen

Mehr erfahren

Einen zusammenfassenden Bericht der Studie „Dental Shame: A Call for Understanding and Addressing the Role of Shame in Oral Health“ können Sie bei „News Medical Life Sciences“ lesen.