Forschung & Umfragen

Deutsche wünschen mehrheitlich Zuckersteuer

Eine repräsentative Umfrage des Markt- und Meinungsfoschungsinstituts „Forsa“ im Auftrag der Verbraucherschutzorganisation „foodwatch“ hat ergeben, dass 60 Prozent der Deutschen eine Zuckersteuer für stark zuckerhaltige Getränke befürwortet.
Von Susanne Krieger
Erstellt am 18.02.2026
Quelle: foodwatch.org | Deutsche Diabetes Gesellschaft
In einer Reihe aufgestellt: eine Dose Fanta, eine Dose Coca Cola und eine Dose Sprite. © Markus Mainka – stock.adobe.com

Volkswirtschaftlicher Schaden geschätzte 113 Milliarden Euro

Die Umfrage wurde vom 3. bis zum 5. Februar 2026 durchgeführt. Insgesamt wurden 1.003 Personen ab einem Alter von 18 Jahren in Deutschland befragt. Eine klare Mehrheit der Befragten (60 Prozent) spricht sich dafür aus, dass Hersteller von Getränken mit hohem Zuckergehalt mit einer je nach Menge des enthaltenen Zuckers gestaffelten steuerlichen Abgabe auf ihre Produkte zur Kasse gebeten werden sollten. Ein noch größerer Prozentsatz der Umfrageteilnehmenden (73 Prozent) sieht die Politik in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass der Zuckergehalt von Süßgetränken vonseiten der Hersteller deutlich reduziert wird. Die Auftraggeberin der Umfrage, die Verbraucherschutzorganisation „foodwatch“, weist vor diesem Hintergrund darauf hin, dass Adipositas und Übergewicht jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von geschätzt etwa 2,6 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts, das sind immerhin 113 Milliarden Euro, verursachen.

Zuckerkonsum in Deutschland höher als WHO-Empfehlung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen, idealerweise bis zu 25 Gramm und allerhöchstens bis zu 50 Gramm Zucker am Tag zu sich zu nehmen. Der Empfehlung von maximal 50 Gramm schließen sich auch die „Deutsche Diabetes Gesellschaft“ (DDG), die „Deutsche Adipositas-Gesellschaft“ (DAG) und die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ (DGE) an. Gemeint ist die Aufnahme von sogenannten „freien Zuckern“, das sind Mono- und Disaccharide, die Lebensmitteln und Getränken zugesetzt werden sowie in Honig, Sirup, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften von Natur aus vorkommen. Der in Obst, Gemüse, Milch und Milchprodukten auf natürliche Weise enthaltene Zucker wird nicht mitgezählt.

Statt bei 50 Gramm Zucker und damit rund 17 Stück Würfelzucker pro Tag liegt der Zuckerkonsum in Deutschland jedoch bei stolzen 41,2 Kilogramm pro Kopf jährlich, was etwa 113 Gramm Zucker oder 38 Stück Würfelzucker pro Tag entspricht. Damit ist der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch an Zucker bei Erwachsenen hierzulande um mehr als das Doppelte so hoch wie die von der WHO empfohlene Verzehrmenge.

Den Löwenanteil an zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken, die die Deutschen konsumieren, machen zu 36 Prozent Süßwaren aller Art aus, es folgen Fruchtsäfte und Nektar-Getränke mit einem Anteil von 26 Prozent. 12 Prozent des Zuckerkonsums sind auf sogenannte süße Erfrischungsgetränke oder Softdrinks zurückzuführen, die nicht nur in Deutschland sehr beliebt sind. Bereits eine Dose eines solchen Getränks mit 200 Millilitern enthält 20 bis 34 Gramm an freiem Zucker. Wie das Statistische Bundesamt vermeldet, sind allein im Jahr 2024 rund 7,7 Milliarden Liter an zuckerhaltiger Cola, Limonade und anderen Erfrischungsgetränken auf den Markt gekommen, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 93 Litern entspricht.

Zuckersteuer weltweit bereits in 116 Staaten

Einer der Vorreiter in Sachen Zuckersteuer ist das Vereinigte Königreich. In Großbritannien wurde 2018 eine Industrieabgabe eingeführt, um dem hohen Zuckerkonsum insbesondere der jungen Bevölkerung etwas entgegenzusetzen. Tatsächlich veranlasste die britische Zuckersteuer die Hersteller zu einem deutlichen Zurückfahren des Zuckergehalts der von ihnen produzierten Getränke. Aufgrund dieser Maßnahme konnte der Zuckerkonsum von Kindern und Jugendlichen um die Hälfte reduziert werden. Eine steuerliche Abgabe auf zuckerhaltige Getränke wurde außer in Großbritannien weltweit bereits in 116 Ländern – wie beispielsweise Frankreich, Polen, Saudi-Arabien, Brasilien, Indien und Südafrika  – eingeführt.

   

Zuckerkonsum reduzieren

Forsa-Umfrage zur Einführung einer Zuckersteuer in Deutschland

Zum Bericht der Verbraucherschutzorganisation „foodwatch“ über die aktuelle Forsa-Umfrage zur Zuckersteuer gelangen Sie unter dem nachfolgenden Link.

„foodwatch“-Umfrage-Bericht
   

Zu den Ergebnissen der Forsa-Umfrage gelangen Sie hier.

Ergebnisse Forsa-Umfrage
   

Die Empfehlungen der „Deutschen Diabetes Gesellschaft“ (DDG), der „Deutschen Adipositas-Gesellschaft“ (DAG) und der „Deutschen Gesellschaft für Ernährung“ (DGE) zum Zuckerkonsum können Sie auf den Seiten der DDG nachlesen.

Deutsche Diabetes Gesellschaft