Speichel sorgt für gesundes Mundklima
Geschätzt 60 bis 90 (!) Prozent aller Menschen mit Down-Syndrom leiden schon vor ihrem 35. Lebensjahr an einer schweren Form der Parodontitis. Die Ursache wird meist in einer mangelnden Speichelbildung gesehen, die mit dem Down-Syndrom einhergeht. Bekanntlich trägt Speichel viel zu einem gesunden Mundklima bei. Er spült Speisereste und Bakterien weg, neutralisiert die durch Mundbakterien entstandenen Säuren, remineralisiert die Zähne und verleiht ihnen so Widerstandskraft gegen das schädliche Mikrobiom im Mund. Diese Schutzfunktion ist bei einem Down-Syndrom deutlich eingeschränkt.
Störung der Speicheldrüsen ursächlich
Ein US-amerikanisches Forschungsteam der New York University hat sich auf die Suche nach den Ursachen für die Hyposalivation bei Menschen mit Down-Syndrom begeben. In einem etablierten Tiermodell für das Down-Syndrom mit genetisch veränderten Mäusen konnten sie biologische Mechanismen nachweisen, die möglicherweise für den verminderten Speichelschutz verantwortlich sind. Die Ergebnisse der Studie wurden im Wissenschaftsjournal „Cell Reports“ veröffentlicht und zeigen, dass auch bei Mäusen mit einem künstlich erzeugten Trisomie-21-ähnlichen Gendefekt eine verringerte Speichelproduktion festzustellen ist. Sie liegt um rund 24 Prozent niedriger als bei genetisch unauffälligen Mäusen. Hinzu kommen ein geringerer pH-Wert des Speichels und eine gestörte Kalzium-Signalübertragung in den Speicheldrüsen. Diese Störung, die nach Ansicht der Studienautoren wahrscheinlich die Ursache für die verminderte Speichelbildung ist, liegt möglicherweise bei allen vom Down-Syndrom betroffenen Menschen vor. Genetische Hinweise darauf lieferte ein Vergleich von Stammzellen eines Menschen mit Down-Syndrom mit denen von Personen ohne Trisomie 21, der im Rahmen der Studie vorgenommen wurde. Bei den an Hyposalivation leidenden Mäusen waren auch das orale Mikrobiom und das Darm-Mikrobiom verändert. Vor allem aber kam es bei ihnen zu deutlich verstärkten Entzündungsreaktionen des Zahnfleischs. Darüber hinaus waren bei den Versuchstieren neben einer verminderten Mitochondrienfunktion in den Speicheldrüsen auch Antikörper zu beobachten, die auf das Sjögren-Syndrom hinweisen, eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem das körpereigene Tränen- und Speicheldrüsengewebe angreift und deren Hauptmerkmal eine ausgeprägte Augen- und Mundtrockenheit ist.
Weitere Forschungen für Therapieentwicklung erforderlich
Das Forscherteam entwickelte im Mausmodell auch erste Therapieansätze. Ein bekanntes Medikament gegen Mundtrockenheit erhöhte die von den Mäusen produzierte Speichelmenge um über 45 Prozent, ohne jedoch den Kalzium-Defekt der Speicheldrüsen zu beheben. Ob auf diese Weise künftig auch Menschen mit Down-Syndrom geholfen und ihr Parodontitisrisiko vermindert werden könnte, müssen weitere Studien zeigen.
Erhöhtes Parodontitisrisiko durch Down-Syndrom
Geringere Speichelproduktion
Zur Studie mit dem Titel „Dysregulated calcium signaling underlies hyposalivation and microbial dysbiosis in Down syndrome“ gelangen Sie unter nachfolgendem Link.