Forschung & Umfragen

Gene beeinflussen Zahnform

Die Form und Größe menschlicher Zähne wird maßgeblich durch Gene bestimmt. Einige Gene lassen sich dabei bis auf die Neandertaler zurückführen. Ein internationales Forscherteam hat insgesamt achtzehn Genregionen entdeckt, die eine entscheidende Bedeutung für die Zahnform und Zahngröße bei Menschen haben.
Von Öffentlichkeitsarbeit (sk)
Erstellt am 06.02.2025
Ein 3D-Zahnmodell aus Keramik mit elektronischem Raster. © Pangestune – stock.adobe.com

Zahnformen von Europäern kleiner als bei anderen Ethnien

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat sich eingehend mit der genetischen Disposition der menschlichen Zahnform beschäftigt. Die Forscher von verschiedenen Universitäten in Großbritannien, China, Frankreich und Argentinien nahmen Messungen an Zahnabdrücken und 3D-Scans von rund 900 Probanden aus unterschiedlichen Weltregionen vor. Die Studienteilnehmer stammten unter anderem aus Europa und Afrika. Im Rahmen einer genomweiten Assoziationsstudie fand anschließend ein Vergleich der Ergebnisse dieser Messungen mit genetischen Informationen der Probanden statt. Es zeigte sich, dass 18 Genregionen mit der Ausprägung menschlicher Zahnformen in Verbindung gebracht werden können. Eine sogenannte multi-omische Analyse, bei der verschiedene Arten von biologischen Daten (zum Beispiel Genom, Epigenom, Mikrobiom usw.) in Kombination bzw. in einer „konzertierten“ Weise untersucht wurden, um mögliche Zusammenhänge und komplexe Wirkungsweisen aufzudecken, gab umfassende Aufschlüsse darüber, wie Gene die menschliche Zahnform und Größe beeinflussen können.

Nur bei Europäern lässt sich ein bestimmtes Gen nachweisen, das ursprünglich von den Neandertalern stammt und dafür verantwortlich ist, dass Menschen aus Europa dünnere Schneidezähne haben als der Rest der Welt. Auch insgesamt gesehen haben Menschen europäischer Herkunft kleinere Zähne als Menschen aus anderen Weltregionen. Ein weiteres Gen mit dem Namen EDAR findet sich bei Menschen unterschiedlicher Herkunft und beeinflusst die Breite von Zähnen. Auch hier konnten die Forscher den bisherigen Stand der Wissenschaft hinter sich lassen und neue Erkenntnisse gewinnen, denn bislang ging man davon aus, dass dieses Gen nur bei Menschen aus dem ostasiatischen Raum vorkommt und im Wesentlichen die Form der Schneidezähne bestimmt.

Mögliche Ansätze für Gentherapien in der Zahnmedizin

Noch nicht endgültig geklärt ist die Frage, ob die entdeckten Gene sich aufgrund von evolutionären Vorteilen der von ihnen bestimmten Zahnformen durchgesetzt haben oder ob sich die heute anzutreffenden Formen und Größen von menschlichen Zähnen im Zuge anderer genetischer Anpassungsprozesse entwickelt haben. Die Forscher erhoffen sich aber, dass die Ergebnisse ihrer Studie und zukünftiger weiterer Forschungen dazu beitragen, die zahnmedizinischen Problemen zugrunde liegenden genetischen und epigenetischen Voraussetzungen zu verstehen, und möglicherweise eines Tages zur Entwicklung wirksamer Gentherapien in der Zahnmedizin führen.

   

Gene beeinflussen Zahnform

Hier geht es zur Studie

Die Studie mit dem Titel „PITX2 expression and Neanderthal introgression in HS3ST3A1 contribute to variation in tooth dimensions in modern humans“ können Sie online einsehen.