Forschung & Umfragen

Glutenunverträglichkeit: Küssen in der Regel unbedenklich

Küssen ist zahnmedizinisch gesehen wegen der möglichen Übertragung einer Vielzahl von Keimen bekanntermaßen nicht ganz unbedenklich. Zöliakie-Patienten mussten sich darüber hinaus bislang fragen, ob beim Küssen über den Speichel Gluten übertragen werden kann. Eine neue Studie gibt diesbezüglich Entwarnung.
Von Susanne Krieger
Erstellt am 08.07.2025
Quelle: Celiac disease Foundation
Es handelt sich um einen Cartoon, der auf türkisfarbenem Hintergrund ein junges Paar zeigt, dass sich küsst. Beide halten ein rotes Herz in ihren Händen hoch, der den Kuss verdeckt. © mast3r – stock.adobe.com

Wartezeit oder Wassertrinken kann Risiko zusätzlich verringern

Küssen ist ein wichtiger Ausdruck menschlicher Zuneigung. Was außer Medizinern jedoch kaum jemand weiß: Durch einen einzigen Kuss tauschen zwei Menschen rund 80 Millionen Keime aus, die zum Beispiel Karies oder Parodontitis verursachen können. Eine gute Mundhygiene reduziert die Ansteckungsgefahr allerdings deutlich.

Menschen mit Zöliakie mussten sich außerdem bislang Sorgen machen, ob durch das Küssen eines Partners ohne Glutenunverträglichkeit nach dem Verzehr glutenhaltigen Essens Spuren von Gluten über den Speichel übertragen werden können. Endlich kann eine neue Studie in dieser Frage evidenzbasierte Ergebnisse liefern. Ein Forscherteam der Columbia University in New York hat klargestellt, dass es für Zöliakie-Betroffene in den allermeisten Fällen unbedenklich ist, einen Menschen zu küssen, der nicht an dieser Unverträglichkeit leidet – selbst dann nicht, wenn er kurz zuvor etwas Glutenhaltiges zu sich genommen hat.

An der Studie nahmen zehn Paare teil, von denen jeweils einer der Partner eine Glutenunverträglichkeit aufwies. Nach dem Verzehr glutenhaltiger Salzcracker durch den Partner ohne Zöliakie und einem anschließenden Kuss mit geöffnetem Mund von mindestens einer Minute Länge wurde der Speichel des von der Unverträglichkeit betroffenen Partners auf Spuren von Gluten hin untersucht. Das erfreuliche Ergebnis: In 18 von 20 Fällen blieb der dabei festgehaltene Wert unter dem Grenzwert von 20 Teilen pro Million (20 ppm), der nach den FDA-Normen für glutenfreie Produkte für Personen mit Glutenunverträglichkeit unbedenklich ist. „FDA“ ist die Abkürzung für die US-amerikanische „Food and Drug Administration“, eine staatliche Überwachungsbehörde, deren Aufgabe die Kontrolle sämtlicher in den USA in Verkehr gebrachten Waren ist. In den beiden Fällen, in denen ein höherer Glutenwert gemessen wurde, entwickelten die Zöliakie-Betroffenen jeweils keine Symptome. Außerdem zeigte es sich, dass das mögliche Risiko für Zöliakie-Patienten durch eine kurze Wartezeit von fünf Minuten oder das Trinken von Wasser vor dem Küssen weiter verringert bzw. die Menge des eventuell im Speichel vorhandenen Glutens auf diese Weise gesenkt werden kann. Technisch gesehen ist es laut der Studie also zwar möglich, dass beim Küssen Gluten übertragen wird. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sich dies für die Zöliakie-Erkrankten schädlich auswirkt.

Viele Zöliakie-Betroffene verzichten bislang auf Küsse

Die US-amerikanische Studie dürfte für Menschen mit Glutenunverträglichkeit daher eine gute Nachricht sein. Älteren Studien zufolge verzichteten bisher fast 40 Prozent der Patienten mit Zöliakie lieber ganz auf Küsse, als sich den durch Gluten hervorgerufenen Reaktionen des Körpers ausgesetzt zu sehen. Auch das Zähneputzen vor jedem Küssen scheint damit als Vorsichtsmaßnahme ausgedient zu haben. Das Forscherteam aus New York zeigt sich glücklich darüber, Zöliakie-Patienten ein Stück Lebensqualität zurückgegeben zu haben, indem es nachweisen konnte, dass Glutenunverträglichkeit nicht gleichzeitig heißt, auf den Austausch von Küssen mit einem nicht betroffenen Partner oder einer nicht betroffenen Partnerin verzichten zu müssen.

   

Glutenunverträglichkeit: Küssen ja bitte!

Unbedenklichkeit in den meisten Fällen nachgewiesen

Einen zusammenfassenden Bericht zur Studie mit dem Titel „Evaluation of Salivary Gluten Transfer After Kissing: Implications for Coeliac Disease Management“ finden Sie auf den Seiten der „Celiac disease Foundation“.