Forschung

Impfen mittels Zahnseide

Das klingt erst einmal überraschend: US-amerikanische Forscher sind der Frage nachgegangen, ob Impfungen statt mit dem obligatorischen „Pieks“ auch mit Zahnseide durchgeführt werden können. Bei Mäusen verliefen entsprechende Versuche mit verschiedenen Arten von Impfstoffen – darunter Proteine, inaktivierte Viren, mRNA und andere – bereits erfolgreich. Und auch bei Menschen könnte die Impfung per Zahnseide vielleicht eine Zukunft haben.
Von Öffentlichkeitsarbeit (sk)
Erstellt am 06.08.2025
Quelle: zm online | apotheke adhoc
Ein Arzt mit Mundschutz hält mit seiner mit einem Schutzhandschuh bedeckten Hand  Fläschchen mit Impfstoff hoch. © Looker_Studio – stock.adobe.com

Mukosale und systemische Abwehrreaktionen

Das Team von Wissenschaftlern der North Carolina State University und der Texas Tech University hält es für möglich, künftig Impfstoffe wie Proteine, inaktivierte Viren, Nanopartikel-konjugierte Peptide und mRNA durch den Einsatz von Zahnseide auf Zahnfleischgewebe zu übertragen und auf diese Weise Impfungen bei Menschen durchzuführen. Die Ergebnisse ihrer Studien an tierischen wie menschlichen Probanden weisen jedenfalls in diese Richtung. Als bewährte Impfmethode über die Mundhöhle ist bis jetzt die Verabreichung von Impfstoff über die Zungenschleimhaut bekannt.

In einem von den Forschern durchgeführten Experiment mit Mäusen ließen sich Impfstoffe sehr wirksam über Zahnseide platzieren und gelangten außer ins Zahnfleischgewebe auch in die Blutbahn. Die im Fachjournal „Nature Biomedical Engineering“ veröffentlichte Proof-of-Concept-Studie wies bei den Tieren starke Abwehrreaktionen des Immunsystems nach – sowohl im Schleimhautbereich als auch systemisch. Als besonders effektiv erwies sich die über Zahnseide erfolgte Impfung mit einem Influenza-Impfstoff. Insgesamt ließen sich alle genannten Impfstoffklassen erfolgreich applizieren.

Applikation über Saumepithel effektiv

Tatsächlich bilden Schleimhäute die erste Angriffsfläche für Krankheitserreger aller Art. Auf diesem Weg gelangen viele Keime in das Innere des menschlichen Körpers. Bei der Übertragung von Impfstoff über die Schleimhaut hat sich herausgestellt, dass das Saumepithel hierfür geeigneter, da durchlässiger ist als andere Epithelgewebe. Das ließ sich in einem Vergleich dreier Gruppen von Mäusen nachweisen, die auf unterschiedliche Weise einen Peptid-Grippe-Impfstoff erhielten. Die erste Gruppe bildeten die Mäuse, bei denen der Impfstoff mittels ungewachster Zahnseide appliziert wurde, bei der zweiten Gruppe wurde der Impfstoff über das Nasenepithel und bei der dritten Gruppe über die Zungenschleimhaut verabreicht. Letztendlich hatte bei diesem Test die Anbringung des Impfstoffs über das Saumepithel „die Nase vorn“, weil diese eine stärkere Bildung von Antikörpern auf den Schleimoberflächen hervorruft als die beiden anderen Impfmethoden. Zudem wird die Impfstoffaufnahme über die Nase durch bestimmte Barrierefunktionen der Nasenschleimhaut behindert und ist riskanter, da die Gefahr besteht, dass der Impfstoff ins Gehirn gelangt.

Weitere klinische Studien erforderlich

Ermutigt durch die vielversprechenden Ergebnisse der Tierversuche unternahmen die US-amerikanischen Wissenschaftler einen Test auch bei Menschen. Dazu wurde fluoreszierender Lebensmittelfarbstoff auf Zahnseide-Sticks angebracht, die anschließend von 27 Personen verwendet wurden. In den Zahnfleischtaschen der Probanden und Probandinnen fand sich daraufhin ein Anteil von ungefähr 60 Prozent des Farbstoffs wieder. Für die Forscher ein Hinweis darauf, dass auch bei Menschen eine Impfung per Zahnseide eine praktikable Impfmethode sein könnte. Um hier zu einem abschließenden Urteil zu gelangen, sind jedoch noch weitere klinische Studien erforderlich. Insbesondere steht noch die Frage im Raum, ob eine solche Impfmethode auch für Menschen mit Zahnfleischerkrankungen oder anderen oralen Infektionen geeignet wäre.

   

Zahnseide als Impfmethode

Aktuelle Studie liefert erste Hinweise auf Effektivität

Ein Abstract zur Studie mit dem Titel „Floss-based vaccination targets the gingival sulcus for mucosal and systemic immunization“ finden Sie online unter nachfolgendem Link.