Verbale und körperliche Gewalt
An der Online-Befragung, die vom 27. August 2025 bis zum 4. September 2025 stattgefunden hat, beteiligten sich 1.008 Ärzte und Ärztinnen, medizinische Fachangestellte und Pflegekräfte, die ihrem Beruf aktuell oder in den letzten zwölf Monaten in einer Praxis oder Klinik nachgegangen sind. Die Formen der Gewalt, denen die Gesundheitsfachkräfte ausgesetzt waren, reichten von verbalen Aggressionen und Beleidigungen durch Patienten oder deren Angehörige, die 66 Prozent der Befragten über sich ergehen lassen mussten, über Bedrohungen, von denen 38 Prozent der Gesundheitsfachkräfte berichten, bis hin zur körperlichen Gewalt, von der jede vierte Fachkraft (24 Prozent) betroffen war. Insgesamt sind 75 Prozent aller Befragten während der Berufsausübung bereits schon einmal Gewalt oder einer Konfliktsituation ausgesetzt gewesen, davon der weit überwiegende Teil (85 Prozent) sogar mehrfach.
Gewalterfahrung bleibt nicht ohne psychische Folgen
Verbale oder körperliche Gewalt, die Gesundheitsfachkräfte bei der Berufsausübung erfahren haben, führt häufig dazu, dass die Betroffenen Angst und Unsicherheit am Arbeitsplatz entwickeln. Darüber berichten 39 Prozent der befragten männlichen und 35 Prozent der weiblichen Gesundheitsfachkräfte. Viele reagieren auch mit Wut darauf, dass es gewaltbereiten Patienten oder Patientenangehörigen offenbar an Respekt gegenüber den „helfenden Händen“ in der Gesundheitsversorgung fehlt. Vor dem Hintergrund der derzeit aufgrund des Fachkräftemangels angespannten Personalsituation im Gesundheitswesen schlägt es besonders negativ zu Buche, dass sich 32 Prozent der jüngeren Befragten in der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahre und immerhin noch 16 Prozent ihrer älteren Kolleginnen und Kollegen ab 55 Jahre nach einer traumatischen Konflikt-, Bedrohungs- oder Gewalterfahrung überlegen, ob ihre Berufswahl die richtige war.
Enttäuschte Erwartungen, Ungeduld und Überforderung sind Ursachen
Welche Faktoren bringen manche Patientinnen und Patienten dazu, sich von ihrer schlimmsten Seite zu zeigen? Hier vermuten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage zu 46 Prozent enttäuschte Erwartungen aufgrund von Halbwissen und zu 42 Prozent lange Wartezeiten. Im Hinblick auf Arztpraxen geben 51 Prozent der Befragten Wartezeiten und 47 Prozent Terminprobleme als Ursachen für aggressive Ausbrüche bei Patientinnen und Patienten an, bezüglich der Situation in Kliniken liegt die Überforderung durch Krankheit oder Verletzung als vermutete Ursache vorne.
Gesetzesvorhaben der Bundesregierung
Von Seiten der Bundesregierung ist inzwischen ein neues Gesetz angekündigt worden, mit denen die Angehörigen der Gesundheitsberufe besser vor Aggression und Gewalt geschützt werden sollen. Das begrüßen rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmenden. In den Augen von 34 Prozent ist sie sogar „sehr hilfreich“, 32 Prozent schätzen sie als „eher hilfreich” ein und sind der Ansicht, dass noch zusätzliche Maßnahmen wie der Einsatz von Sicherheitspersonal in Gesundheitseinrichtungen, Aufklärungskampagnen für Patientinnen und Patienten und ein Angebot an psychologischer Betreuung für Betroffene von Gewalterfahrungen erforderlich sind. Darüber hinaus stehen bei den Gesundheitsfachkräften Schulungen zur Deeskalation und Gewaltprävention bzw. zum Umgang mit aggressiven Patienten bzw. Patientenangehörigen hoch im Kurs. Eine solche Schulung haben über die Hälfte (54 Prozent) der Befragten bereits absolviert.
Klares Zeichen gegen Gewalt im Gesundheitswesen
Zahnärzteschaft unterstützt MAGS-Initiative
In der Gesellschaft hat Gewalt nichts zu suchen – und erst recht nicht im Gesundheitswesen. Die Vertreterinnen und Vertreter der nordrheinisch-westfälischen Zahnärzteschaft (Kassenzahnärztliche Vereinigungen und Zahnärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe) sprechen sich ganz klar gegen diese Entwicklung aus und haben sich deshalb der Initiative des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums (MAGS) gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt gegenüber den Mitarbeitenden im Gesundheitswesen angeschlossen.
Gewalt im Gesundheitswesen
Online-Umfrage mit alarmierenden Ergebnissen
Einen ausführlichen Bericht zur YouGov-Umfrage zum Thema Gewalt im Gesundheitswesen finden Sie auf der Website von Doctolib.