Ausschaltung karzinogener Mikroben
Zuckerfreies Kaugummi kann die Zahnpflege ergänzen und hält den Atem frisch. Neu jedoch ist, dass auf biotechnologischem Wege „angereichertes“ Kaugummi auch zur Krebsprävention und -bekämpfung eingesetzt werden kann. Das erhoffen sich jedenfalls Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der University of Pennsylvania.
Das Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom tritt in der Schleimhaut von Mund und Rachen auf und wird häufig erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt. Die Therapiefortschritte sind bisher eher gering. Weltweit ist zudem ein Anstieg dieser Krebsform zu beobachten, die mit einer durch das „Humane Papillomavirus“ (HPV) ausgelösten Infektion in Zusammenhang steht. Ist erst einmal ein Mundhöhlen- oder Rachenkrebs entstanden, verschlechtern dann Keime wie „Porphyromonas gingivalis“ und „Fusobacterium nucleatum“ im oralen Mikrobiom die Überlebenschancen selbst nach einer Operation und unter weiteren Krebstherapien.
Mit seinem innovativen Präventions- und Behandlungsansatz versucht das US-amerikanische Forscherteam, die schädlichen Mikroorganismen, die Mund- und Rachenkrebs verursachen oder begünstigen können, gezielt auszuschalten. Dafür sollen das antivirale Protein FRIL sowie das antimikrobiell wirkende Peptid Protegrin-1 als Inhaltsstoffe einer Kaumasse sorgen. Beide scheinen dazu in der Lage zu sein, HPV und seine bakteriellen Helfershelfer zu deaktivieren. Das zeigen jedenfalls die im Wissenschaftsmagazin „Scientific Reports“ veröffentlichten Ergebnisse einer eigens zur Erprobung des „Anti-Krebs-Kaugummis“ angesetzten Untersuchung. Dabei wurden Speichel- und Mundspülproben von Patientinnen und Patienten analysiert, die an einem Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom litten. Extrakte des ausschließlich mit dem Protein FRIL versehenen ersten Prototyps des Kaugummis ließen den HPV-Spiegel im Speichel um bis zu 93 Prozent und in Mundspülproben um rund 80 Prozent zurückgehen. Der zweite Prototyp mit FRIL und zusätzlichem Protegrin-1 war dazu imstande, auch das Vorkommen von „Porphyromonas gingivalis“ und „Fusobacterium nucleatum“ in den untersuchten Proben fast vollständig zurückzudrängen. Die Studienautorinnen und -autoren zeigen sich daher zuversichtlich, dass ihre Forschung die der Medizin bislang zur Verfügung stehenden Konzepte und Verfahren zur Vorbeugung und Bekämpfung von Mundhöhlen- und Rachentumoren um einen wirksamen Behandlungsansatz erweitern kann.
Prävention und Bekämpfung von Mund- und Rachentumoren
Innovativer Behandlungsansatz
Sie finden die vollständige Studie mit dem Titel „Ex vivo HNSCC clinical studies using saliva and antiviral or antibacterial chewing gums reveal reduction in carcinogenic microbes“ online unter nachfolgendem Link.