Forschung & Umfragen

KI im Gesundheitswesen kann medizinische Fachkräfte nicht ersetzen

Der STADA Health Report 2026 belegt, dass die meisten Europäerinnen und Europäer dem Einsatz von KI in Gesundheitsfragen positiv gegenüberstehen. Dennoch bleiben Ärztinnen und Ärzte in ihren Augen die zentralen Faktoren der Gesundheitsversorgung, während der Einsatz von KI nur in assistierender Funktion etwa bei administrativen und Überwachungsaufgaben für sinnvoll erachtet wird.
Von Susanne Krieger
Erstellt am 08.07.2026
Quelle: stada.com
Der ausgestreckte Zeigefinger einer Roboterhand und der einer menschlichen Hand berühren fast einander, zwischen den Spitzen ihrer Finger ein heller Funken und eine Displayanzeige mit Gesundheitssymbolen. © Have a nice day – stock.adobe.com

STADA Health Report

Seit 2014 untersucht der STADA Health Report im Rahmen einer unabhängigen, repräsentativen Umfrage den allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerung in 20 europäischen Ländern sowie die Einstellung der Europäerinnen und Europäer zu Entwicklungen und Fragen der Gesundheitsversorgung. Im Mittelpunkt des aktuellen STADA Health Reports 2026 steht neben der anhaltenden Krise der europäischen Gesundheitssysteme der rasante Einzug der KI in den Alltag vieler Menschen auch im Gesundheitsbereich sowie die wachsende Tendenz in der Bevölkerung, zur Lösung der eigenen gesundheitlichen Belange in einem weit höheren Maße selbst aktiv zu werden als in der „vordigitalen“ Zeit.

Zufriedenheitsgrad mit Gesundheitsversorgung stagniert

Nur etwas mehr als die Hälfte der Menschen in Europa (56 Prozent) sind mit dem Gesundheitssystem in ihrem Land zufrieden. Damit setzt sich die seit dem Rückgang der Zufriedenheitswerte in der Corona-Zeit anhaltende Stagnation der Zustimmungsquote zur Gesundheitsversorgung weiter fort. 67 Prozent der Befragten beklagen dabei einen Mangel an medizinischen Fachkräften, der zu langen Wartezeiten führt, 43 Prozent befürchten eine Gefährdung des Zugangs zu einer bezahlbaren Gesundheitsversorgung. Zudem betrachten 56 Prozent den demografischen Wandel sowie chronische Gesundheitsprobleme mit wachsender Sorge, während für 53 Prozent die steigende Zahl von Menschen mit psychischen Erkrankungen ein alarmierendes Zeichen ist. Entsprechend wünschen sich 58 Prozent eine Reduzierung der Wartezeiten durch eine spürbare Erhöhung der Anzahl zur Verfügung stehender Fachkräfte und 49 Prozent eine Verbesserung des Zugangs zur medizinischen Versorgung.

Aktive Rolle bei eigener Gesundheitsversorgung

In den Zeiten der Krise der Gesundheitsversorgung erscheint es den meisten Europäerinnen und Europäern umso wichtiger, zur Lösung der eigenen gesundheitlichen Probleme selbst aktiv zu werden. 78 Prozent sind davon überzeugt, dass sie in der Lage sind, sich gesundheitlich gut selbst zu versorgen, 94 Prozent geben an, dass für sie zwar nicht bei allen, aber bei einigen Gesundheitsproblemen eine Selbstmedikation durchaus ein Mittel ihrer Wahl ist. Einer großen Mehrheit (85 Prozent) liegt ihre eigene Gesundheit so sehr am Herzen, dass sie diese selbst konstant überwacht – etwa mit Fitness-Trackern oder medizinischen Messgeräten für den Einsatz zu Hause.

KI hat im Gesundheitsbereich längst Einzug gehalten

Die digitalen Optionen, die heutzutage zur Verfügung stehen wie der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI), werden von den meisten Menschen auf unserem Kontinent auch in Gesundheitsfragen bereits fleißig genutzt. 82 Prozent stehen der Anwendung von KI bei ihrer Gesundheitsversorgung offen gegenüber, 55 Prozent setzen KI tatsächlich aktiv zur Lösung ihrer gesundheitlichen Probleme ein. Dem entspricht, dass fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) einer von der KI erstellten Diagnose ihr Vertrauen schenken würde und immerhin 43 Prozent keine Bedenken hätten, ihre gesamten Gesundheitsdaten an eine KI zu übermitteln, wenn dies einer Verbesserung der Diagnosestellung und der von der KI aufgezeigten Behandlungsansätze dienen würde. 

Kein Ersatz für medizinische Fachkräfte

Die entscheidende und zentrale Rolle in allen gesundheitlichen Belangen spielen aber weiterhin unangefochten die menschlichen „Instanzen“ der Gesundheitsversorgung: die medizinischen Fachkräfte wie Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker. Die überwiegende Mehrheit (77 Prozent) der Menschen in Europa setzen bei Entscheidungen, die ihre Gesundheit betreffen, ganz auf ihren Hausarzt bzw. ihre Hausärztin oder andere medizinische Fachkräfte, 57 Prozent vertrauen in Fragen der Gesundheit und Einnahme von Medikamenten den Fachkräften in Apotheken. 8 von 10 Befragten geben der persönlichen Konsultation beim Arzt unbedingt den Vorrang vor der KI. 

Für viele sind dem Einsatz von KI im Gesundheitswesen daher klare Grenzen gesetzt. Sie befürworten eine assistierende Rolle der KI in Arztpraxen bei administrativen und Überwachungsaufgaben – so etwa bei der Terminvereinbarung und Nachsorge (50 Prozent) oder bei einer unterstützenden Dokumentation und der Überwachung bei chronischen Erkrankungen (36 Prozent). Die KI kann menschliche Fachkräfte und die ärztliche Entscheidungsfindung bei gesundheitlichen Problemen aus Sicht der Europäer also in keinem Fall ersetzen. Rund 40 Prozent der Befragten befürchten vielmehr, dass KI die menschliche Kommunikation und Interaktion im Gesundheitswesen beeinträchtigen könnte.

KI eröffnet Fachkräften neue Optionen

Die Digitalisierung einschließlich der KI könnte in den Augen vieler Befragter die Rolle medizinischer Fachkräfte in mancher Hinsicht sogar stärken und neue Wege der ärztlichen Versorgung eröffnen. 41 Prozent der Europäer wünschen sich zum Beispiel von Ärztinnen und Ärzten mehr digitale Telekonsultationen und hoffen darauf, dass sie ihnen angesichts der Flut an digitalen Gesundheitsinformationen beratend und vermittelnd zur Seite stehen. 30 Prozent nehmen sogar an, dass im heutigen digitalen Zeitalter gegenüber einer unpersönlichen KI die Bedeutung der Ärztinnen und Ärzte als vertrauenswürdige menschliche Ansprechpartner noch wichtiger werden könnte als zuvor.

   

KI im Gesundheitswesen

Repräsentative Umfrage in 20 europäischen Ländern

Zur STADA-Pressemitteilung und zum Download des STADA Health Reports 2026 gelangen Sie unter nachfolgendem Link.