Keim siedelt auch im Verdauungstrakt
Gelangt der in der Mundhöhle und im Rachenraum siedelnde Keim Streptococcus anginosus, der – wie der Name schon besagt – zur Streptokokken-Familie gehört, in den Verdauungstrakt, kann er das Wachstum von Adenokarzinomen der Magenwand fördern. Wie ein Forscherteam der Universität von Schanghai festgestellt hat, dürfte Streptococcus anginosus wesentlich an Magenkrebs beteiligt sein. Ein erstes Anzeichen für die Wissenschaftler dafür war, dass der Stuhlgang von Magenkrebspatienten häufig erhöhte Mengen dieses Bakteriums aufweist. Aber auch im Magen-Mikrobiom und in den Tumoren von Patienten und Patientinnen mit Magenkrebs waren die kugelförmigen Bakterien vermehrt anzutreffen – und dies gleich in drei verschiedenen Stämmen.
Beschleunigtes Tumorwachstum
Besonders tückisch an diesen Mikroben ist, dass sie als Stoffwechselprodukt Methionin freisetzen, eine schwefelhaltige Aminosäure, die die Energieversorgung von Krebszellen begünstigt und somit für ein beschleunigtes Wachstum von Tumoren verantwortlich ist. Schon frühere Studien belegen einen Zusammenhang von Methionin und einem raschen Tumorwachstum. Im Rahmen der aktuellen chinesischen Studie trat bei Mäusen ein deutlich schnelleres Wachstum von Magentumoren auf, wenn gleichzeitig Streptococcus anginosus im Magen-Mikrobiom vorhanden war.
Eine Besiedlung des Verdauungstraktes durch das Bakterium Streptococcus anginosus stellt also ein beträchtliches Risiko im Hinblick auf Magenkrebserkrankungen dar. Für die Früherkennung von Magentumoren könnten der chinesischen Studie zufolge zukünftig Stuhlproben eine wichtige Rolle spielen. Lassen sich die besagten Mikroben im menschlichen Stuhl nachweisen, ist das Vorhandensein von Magenkrebs nicht auszuschließen. Die Forschungsergebnisse eröffnen auch neue Ansätze für die Vorbeugung und Behandlung von Magentumoren. Ähnlich wie bei Helicobacter pylori könnte eine medizinische Maßnahme die Eradikation von Streptococcus anginosus im Magen-Darm-Trakt durch den Einsatz von Antibiotika sein.
Auch Schlaganfallrisiko erhöht
Übrigens steht Streptococcus anginosus auch bei Schlaganfällen als Übeltäter im Verdacht. Eine japanische Studie hat gezeigt, dass der Keim im Speichel und im Darm von Menschen mit akutem Schlaganfall deutlich häufiger vorkommt als bei Menschen, die keinen Schlaganfall erlitten haben. Demnach ist bei einem Auftreten von Streptococcus anginosus im Darm unabhängig von vaskulären Risikofaktoren von einem um etwa 20 Prozent erhöhten Schlaganfallrisiko auszugehen.
Gefährlicher Mundkeim
Erhöhtes Magenkrebsrisiko
Zur Studie mit dem Titel „Streptococcus anginosus-derived methionine promotes gastric cancer progression“ gelangen Sie über nachfolgendem Link.