Bei Parodontitis erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern
Sozusagen auf frischer Tat ertappt hat ein japanisches Forscherteam das der Wissenschaft bereits bestens bekannte Bakterium Porphyromonas gingivalis bei der Schädigung von Herzgewebe, die zu Vorhofflimmern führen kann. Die Wissenschaftler sind Autoren einer aktuellen Studie der Hiroshima University. Zahnmediziner und Kardiologen waren bislang bereits davon ausgegangen, dass Zahnfleischentzündungen und Parodontitis durchaus in einem Zusammenhang stehen können. Frühere Forschungsarbeiten konnten bereits belegen, dass Parodontitispatientinnen und -patienten häufiger an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden als Menschen ohne Entzündungen des Zahnhalteapparats. Eine Meta-Auswertung epidemiologischer Daten aus verschiedenen Studien ergab sogar ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko.
Parodontitiskeim löst Fibrosevorgänge im Herzgewebe aus
Den japanischen Forschenden gelang es nun zunächst bei Tieren, Porphyromonas gingivalis bei vorliegenden Infektionen und Entzündungsherden im Bereich der Zahnpulpa auch im Herzgewebe nachzuweisen. Einmal in das Herz gelangt, lösen die Stoffwechselprozesse des Bakteriums dort Entzündungen und in der Folge Vernarbungen und Verhärtungen des Gewebes (Fibrose) aus – und dies auffälligerweise besonders im linken Vorhof des Herzens. Diese Gewebeschäden wiederum können elektrische Fehlimpulse und damit Vorhofflimmern auslösen. Das Blut der Tiere wies vermehrt Biomarker wie Galektin-3 und bestimmte Gene aus, die mit Entzündungs- und Fibrosevorgängen im Zusammenhang stehen. Es folgten Studien, für die menschliche Probanden herangezogen werden konnten. Porphyromonas gingivalis wurde dabei im Herzgewebe von 68 herzoperierten Patienten mit zuvor aufgetretenem Vorhofflimmern gefunden. Je weiter eine bestehende Parodontitis bei diesen Patienten fortgeschritten war, desto höher war die Anzahl der Keime.
Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch PAR-Vorsorge
Wie das Forscherteam aus Japan damit eindeutig bewiesen hat, ist der heimtückische Parodontitiskeim anscheinend in der Lage, von der Mundhöhle aus in die Zellen des Herzgewebes einzudringen und sich hier dem Immunsystem und seinen Abwehrmechanismen zu entziehen. Im Herzgewebe löst der Erreger dann chronische Entzündungsprozesse aus, die Vernarbungen und Verhärtungen hinterlassen. Die Wissenschaftler aus Japan gelangen daher zu der Schlussfolgerung, dass die Früherkennung und -behandlung von entzündlichen Vorgängen im Mundbereich eine zentrale Rolle für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Vorhofflimmern spielt und eine künftige stärkere Vernetzung und Kooperation von Zahnmedizin und Kardiologie von großem Vorteil sein kann. Zudem kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, wie wichtig die häusliche Mundhygiene sowie die Vorsorgemaßnahmen in der Zahnarztpraxis auch für die Erhaltung der Herzgesundheit sind.
Parodontitiskeim gefährdet Herzgesundheit
Abstract zur Studie
Zu einer Zusammenfassung der Studie mit dem Titel „Atrial Translocation of Porphyromonas gingivalis Exacerbates Atrial Fibrosis and Atrial Fibrillation“ gelangen Sie über den nachfolgenden Link.