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Patienten haben weniger Vertrauen in Ärzte, die KI anwenden

Eine Studie der Universität Würzburg und der Berliner Charité zeigt, dass der Einsatz von KI durch Ärzte zu diagnostischen, therapeutischen oder administrativen Zwecken das Arzt-Patienten-Verhältnis negativ beeinflussen kann. Die Studienautoren vermuten dahinter die Sorge, dass Ärzte der KI blind vertrauen könnten.
Von Öffentlichkeitsarbeit (sk)
Erstellt am 30.07.2025
Quelle: Universität Würzburg
Ein Roboter als Arzt mit Stethoskop in einem Klinikflur. © phonlamaiphoto – stock.adobe.com

Wachsende Bedeutung der KI auch in der Medizin

Der Einsatz künstlicher Intelligenz spielt auch in der modernen Medizin eine immer größere Rolle. KI bietet insbesondere in der Diagnosestellung eine Vielfalt an neuen Möglichkeiten – so zum Beispiel bei der Bildanalyse in der Radiologie oder beim Erstellen von Differentialdiagnosen. Viele Studien belegen den Nutzen der KI und ihre Bedeutung für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Die aktuelle Studie der Uni Würzburg und der Berliner Charité zeigt jedoch einen bisher so nicht vermuteten Aspekt des Einsatzes von KI in der Medizin auf. Sie belegt, dass viele Menschen im Hinblick auf Ärzte, die KI anwenden, ein deutliches Unbehagen empfinden. Sie setzen kein Vertrauen in die Kompetenz von KI in medizinischen Fragen.

Die psychologische Studie von Wissenschaftlern der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg wurde unter Beteiligung des Instituts für Medizinische Informatik an der Charité Berlin erstellt und ist in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht worden. An der Studie nahmen über 1.200 Personen teil, deren Aufgabe es war, eine Einschätzung und Bewertung von Ärzten auf der Basis von Werbeanzeigen vorzunehmen, die ein Praxisprofil der Arztpraxen enthielten. Es handelte sich um quasi identische Werbeanzeigen, die bei der Experimentalgruppe zusätzlich den Hinweis auf den Einsatz von KI zu administrativen, diagnostischen oder therapeutischen Zwecken in der Arztpraxis enthielten. Bei den Werbeanzeigen, die der Kontrollgruppe ausgehändigt wurden, fehlte dieser Hinweis.

Ärzte bei Einsatz von KI als weniger vertrauenswürdig eingeschätzt

Die erstaunlichen Ergebnisse der Studie: Lag eine Werbeanzeige mit der Information vor, dass in der Praxis KI zum Einsatz kommt, wurde der Arzt in jeder Beurteilungskategorie negativer bewertet, als es in der Vergleichsgruppe der Fall war. Die Probandinnen und Probanden der Experimentalgruppe schätzten einen Arzt bei einer vermuteten Anwendung von KI also als weniger kompetent, vertrauenswürdig und empathisch ein – und das selbst dann, wenn die KI laut Angabe der Werbeanzeige gar nicht für medizinische, sondern nur für rein verwaltungstechnische Zwecke genutzt wurde. Der Vertrauensverlust durch KI ging sogar so weit, dass die Studienteilnehmer der Experimentalgruppe eher als die Probanden der Vergleichsgruppe davor zurückschreckten, mit diesen Ärzten einen Termin zu vereinbaren.

Befürchtungen zerstreuen – Vorteile der KI herausstellen

Vor dem Hintergrund, dass ein vertrauensvolles Arzt-Patient-Verhältnis von zentraler Bedeutung für den Erfolg einer Behandlung ist, ist dies ein alarmierendes Studienergebnis. In den Augen der an der Studie beteiligten Forscher ist dieses mangelnde Vertrauen in Ärzte, die KI anwenden, vor allem der Sorge geschuldet, dass Ärzte der KI blind folgen könnten. Wie können Ärzte diesem Misstrauen und dieser Sorge entgegenwirken? Die Studienautoren empfehlen Arztpraxen, die KI nutzen und darüber informieren, immer auch die Vorteile dieses Einsatzes hervorzuheben, um Befürchtungen zu zerstreuen. Ein möglicherweise überzeugendes Argument wäre zum Beispiel, dass eine durch KI unterstützte Praxisverwaltung den Arzt und sein Team so weit entlasten kann, dass ihnen mehr Zeit für die Betreuung der Patienten zur Verfügung steht.

   

KI in der Medizin

Psychologische Studie der Universität Würzburg und der Berliner Charité

Einen zusammenfassenden Bericht zur Studie mit dem Titel „Public perception of physicians who use artificial intelligence“ finden Sie auf den Seiten der Universität Würzburg.

Bericht Uni Würzburg
   

Die Studie im vollen Wortlaut können Sie ebenfalls online einsehen.

Zur Studie