Zahnringe zeigen Alter eines Menschen an
Bestimmte Zahnstrukturen wachsen in Ringen. Das trifft auf den Zahnzement (azellulärer extrinsischer Faserzement bzw. Wurzelzement) zu, der die Zahnwurzel und den Zahnhals des Dentins bedeckt. Die Wachstumsringe sind dabei außerordentlich dünn. Im Winter bilden sie sich aus dunklen Ablagerungen, im Sommer aus hellen, die mehr Mineralstoffe enthalten. Wahrscheinlich wird dieser jahreszeitliche Wechsel durch Hormone und den Calciumstoffwechsel verursacht.
Ein Forscherteam der Northumbria University in Newcastle upon Tyne hat jetzt entdeckt, dass sich anhand der Anzahl der Ringe aus Zahnzement – ähnlich wie die Ringe eines Baumes sein Alter verraten – das Alter eines Menschen einschätzen lässt. Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt 70 Zähne von 46 Menschen, die zuvor im Rahmen einer zahnärztlichen Behandlung extrahiert und der Forschung gespendet worden waren. Im Querschnitt zeigte sich jeweils das Ringmuster des individuellen Zahns.
„Zahnzementchronologie“ für Forensiker und Historiker
Analog zur Dendrochronologie bei Bäumen könnte die Untersuchung der Zahnringe der Zähne von Mordopfern oder von bei Unglücken oder Katastrophen ums Leben gekommenen Menschen dabei helfen, ihr Alter zu bestimmen, und so ein wesentliches Puzzleteil zur Identifizierung unbekannter verstorbener Personen beitragen. Man kann von einer „Zahnzementchronologie“ sprechen, die von großem Nutzen für Forensiker sowie Historiker bzw. Archäologen sein dürfte.
Rauchen schädigt die Struktur von Zahnringen
An den Zahnringen lässt sich auch ablesen, ob man den Zahn eines Rauchers in den Händen hält. Selbst wenn die betreffende Person ein ehemaliger Raucher sein sollte, verraten die Zähne, in welchen Lebensalter das Rauchen aufgegeben wurde bzw. in welcher Zeitspanne ihres Lebens diese Person Raucher oder Raucherin war. Der Grund dafür ist, dass Rauchen das Wachstum der Zahnzementringe stört, deren Struktur infolgedessen Unregelmäßigkeiten aufweist. Durch eine unterschiedliche Dicke der Ringe zeichnen sich dann „Wellenmuster“ im Querschnitt des Ringstapels ab. Zu diesem Ergebnis gelangten die Forscher auf der Basis des Abgleichs der Ringstrukturen der von ihnen untersuchten Zähne mit den ihnen vorliegenden Gesundheitsdaten der Personen, von denen die Zähne stammten. 70 Prozent der im Rahmen der Studie untersuchten ehemaligen Raucher und 33 Prozent der aktiven Raucher wiesen solche charakteristischen „Muster“ in der Struktur der Zahnringe auf. Die Strukturveränderungen werden dadurch bewirkt, dass in Phasen des Rauchens durch das gestörte Zementwachstum unregelmäßigere Ringstrukturen auftreten als in Phasen des Nichtrauchens. Bei ehemaligen Rauchern fallen die Zahnringe dagegen auch im Vergleich zu denen bei Nichtrauchern besonders dick und fest aus.
Strukturschäden auch nach langer Zeit noch zu erkennen
Durch Rauchen verursachte Strukturschäden der Zahnzementringe sind selbst nach einem langen Zeitraum noch zu erkennen. Das zeigt eine Analyse von mehreren hundert Jahre alten Zähne aus den Jahren 1776 bis 1890 aus Großbritannien, die ebenfalls im Rahmen der Northumbria-University-Studie durchgeführt wurde. Auch an einigen dieser historischen Zähne ließen sich dieselben charakteristischen Muster der Zahnzementringe erkennen, wie sie zuvor schon bei der Untersuchung der Zähne zeitgenössischer Raucher und Ex-Raucher nachgewiesen wurden.
Rauchen schädigt die Zahnstruktur
Unregelmäßigkeiten bei Zahnzementringen
Zur vollständigen Studie „Reconstructing smoking history through dental cementum analysis – a preliminary investigation on modern and archaeological teeth“ gelangen Sie über nachfolgenden Link.