Leitlinien

S2k-Leitlinie „Zahnsanierung vor Herzklappenersatz“ wurde aktualisiert

Unter der Federführung von DGMKG und DGZMK wurde die Leitlinie zur Zahnsanierung vor Herzklappenersatz aktualisiert. Die Leitlinie bietet evidenzbasierte Handlungsempfehlungen, mit deren Hilfe das Auftreten dentogener Endokarditiden bei Herzklappenpatienten verringert werden soll.
Von Öffentlichkeitsarbeit (sk)
Erstellt am 16.10.2025
Quelle: zm online | AWMF
Ein 3-D-Modell eines Zahns und eines Herzens nebeneinander aufgereiht. © mdshafiq – stock.adobe.com

Zahnmedizinische Behandlungen spielen große Rolle

Patientinnen und Patienten, die einen Herzklappenersatz erhalten haben, sind einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, eine infektiöse Endokarditis zu entwickeln. Die Rate der infektiösen Endokarditiden bei künstlichen Herzklappen macht zwischen zehn bis 34,1 Prozent aller Endokarditisfälle aus. Besonders kritisch ist dabei das erste Jahr nach Erhalt eines Herzklappenersatzes.

Zahnmedizinische Behandlungen können ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für das Entstehen einer infektiösen Endokarditis im Rahmen einer Herzklappentherapie sein. Aktuelle Studien belegen einen Zusammenhang zwischen invasiven dentalen Prozeduren und dem Auftreten einer solchen Endokarditis bei Herzklappenpatienten. Das bedeutet, dass bakteriell bedingte entzündliche Erkrankungen im Mundbereich schon vor dem Erhalt künstlicher Herzklappen saniert sein sollten, so dass für mindestens sechs bis zwölf Monate keine weiteren zahnmedizinischen Behandlungen mehr erforderlich sind.

Für die Zeit nach dem Einsatz der künstlichen Herzklappen sehen die Handlungsempfehlungen der Leitlinie einen zeitlich eng getakteten zahnärztlichen Recallzyklus vor. So sollten die betroffenen Patientinnen und Patienten im ersten Jahr nach dem kardiologischen Eingriff möglichst vierteljährlich zur regelmäßigen Kontrolle in die Zahnarztpraxis kommen, um die Rate an entzündlichen Prozessen in der Mundhöhle möglichst gering zu halten. Auf diese Weise kann auch der Erfolg der häuslichen Mundhygiene überwacht und gefördert werden. Ein besonderes Augenmerk der Leitlinie liegt ebenfalls auf der Antibiotikaprophylaxe bei Patientinnen und Patienten mit Herzklappenersatz, die sich einer dentalen Behandlung unterziehen müssen. 

Die Handlungsmaximen bieten ebenfalls eine Hilfestellung bei der Beurteilung des Zahnsanierungsbedarfs vor dem Herzklappenersatz und zeigen die Indikationen, Risikofaktoren und zurzeit anerkannten Behandlungsmethoden für die Zahnsanierung vor dem kardiologischen Eingriff auf. Behandler wie Patienten werden auf diese Weise bei der Entscheidungsfindung im Hinblick auf eine geeignete Therapie der sanierungsbedürftigen Befunde unterstützt. Indem mögliche lokale oder systemische Komplikationen, die infolge einer unzureichenden dentalen Sanierung vor oder nach dem Herzklappenersatz auftreten können, eliminiert werden, soll die Versorgungsqualität der betroffenen Patientengruppe in entscheidender Weise verbessert und das Auftreten infektiöser Endokarditiden infolge dentaler Behandlungen verhindert werden.

   

S2k-Leitlinie „Zahnsanierung vor Herzklappenersatz“

Endokarditiden vermeiden

Die unter Federführung der „Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie“ (DGMKG) und der „Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ (DGZMK) aktualisierte Leitlinie ist bis zum 30. März 2030 gültig und kann auf den Seiten des Online-Portals der „Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften“ (AWMF) in der Langfassung eingesehen und heruntergeladen werden.