Verhaltener Zufriedenheitsgrad – keine Erfolgsgeschichte
Nur jeder Vierte zeigt sich insgesamt zufrieden mit der TI. Drei Viertel bewerten die Zufriedenheit neutral bis unzufrieden, ein Fünftel sogar als sehr unzufrieden. Damit bestätigt sich, was viele Praxen seit Jahren berichten: Die TI wird nicht als ausgereiftes, verlässliches Arbeitsinstrument wahrgenommen, sondern als permanenter Unsicherheitsfaktor im Praxisalltag.
Licht und Schatten bei den Anwendungen
Ein differenzierter Blick auf einzelne TI-Anwendungen zeigt: Klassische, klar abgegrenzte Anwendungen wie das E-Rezept, die eAU oder das elektronische Beantragungs- und Genehmigungsverfahren funktionieren vergleichsweise gut. Deutlich schlechter fallen hingegen die Bewertungen für ePA, eArztbrief, KIM, TI-Messenger sowie eMP/NFDM aus – also genau jene Anwendungen, die politisch als zentrale Zukunftsbausteine propagiert werden.
Diese Diskrepanz nährt den Eindruck, dass neue Anwendungen häufig verpflichtend eingeführt werden, bevor sie praxistauglich, stabil und vollständig integriert sind.
Störungen sind der Normalfall, nicht die Ausnahme
Besonders kritisch: TI-Ausfälle gehören zum Alltag. In 60 Prozent der befragten Praxen tritt mindestens eine Störung je Woche auf, auch tägliche Störungen sind keine Seltenheit (18 Prozent). Die Antwortmöglichkeit „nie“ kommt nicht vor. Entsprechend lang sind die Behebungszeiten: Zwei Drittel der Störungsfälle dauern mehrere Tage oder Wochen, teilweise bleiben Probleme ungelöst.
Das belastet nicht nur Abläufe, sondern auch Teams, Patientenkommunikation und letztlich die Versorgung.
Wirtschaftlich nicht darstellbar
Nahezu einhellig wird die Finanzierung kritisiert. Die bestehenden TI-Pauschalen decken nach Einschätzung der Befragten die realen Kosten und Aufwände für Betrieb, Wartung, Support und Personal in keiner Weise ab. Vollständige Kostendeckung sieht niemand. Für viele Praxen bedeutet die TI daher ein dauerhaftes wirtschaftliches Minus – bei gleichzeitig wachsender Bürokratie.
Informationsdefizite auf allen Ebenen
Zwei von drei Praxen bewerteten die Informationslage bei akuten Störungen als schlecht. Die Kritik richtete sich gleichermaßen an Praxisverwaltungssystem-/Karten-Anbieter als auch zentrale Stellen wie die gematik. Informationen kommen zu spät, sind unvollständig oder erreichen die Praxen gar nicht (30 Prozent).
Besonders problematisch war aus Sicht vieler Praxen der Austausch von TI-Komponenten (RSA-Zertifikate): Informationslage und Ablauf wurden mehrheitlich als schlecht bis durchschnittlich beurteilt.
Klare Botschaften aus den Praxen
Die offenen Antworten der Befragung lassen wenig Interpretationsspielraum. Die Kernforderungen sind eindeutig:
- Stabilität und Reife vor Verpflichtung
Keine verpflichtende Einführung unfertiger, auf Praxistauglichkeit geprüfter Systeme. - Einfachheit, Nutzerfreundlichkeit und Praxisnähe
Zahnarztpraxen sind keine IT-Betriebe. - Verlässlicher Support und klare Zuständigkeiten
Keine Verantwortungsverschiebung zwischen Anbietern. - Faire Finanzierung und Entlastung kleiner Praxen
Reale Kosten müssen real erstattet werden. - Freiwilligkeit statt Sanktionen
Digitalisierung braucht Akzeptanz, nicht Zwang. - Klare Information und praxisnahe Schulungen
Verständlich, rechtzeitig, kostenfrei bei Pflichtmaßnahmen. - Fokus auf Versorgung statt Technik
Digitalisierung soll entlasten – nicht blockieren.
Fazit
Politische Schlussfolgerung: Kurskorrektur dringend notwendig
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Akzeptanz der TI steht und fällt mit ihrer Praxistauglichkeit. Solange Systeme instabil sind, Kosten nicht gedeckt werden, Support fehlt und Informationsflüsse nicht funktionieren, wird die TI nicht als Fortschritt wahrgenommen.
Wenn Digitalisierung im Gesundheitswesen gelingen soll, braucht es einen Paradigmenwechsel: weg von symbolischer Umsetzungsgeschwindigkeit, hin zu Stabilität, Einfachheit, Verlässlichkeit und fairer Finanzierung. Nur so kann die TI zu dem werden, was sie politisch sein soll – ein Werkzeug zur Unterstützung der Versorgung und nicht ein Risiko für Motivation, Wirtschaftlichkeit und Versorgungsqualität in den Praxen.