Forschung & Umfragen

US-Metastudie zu Fluoridexposition und IQ-Werten von Kindern

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ) warnt angesichts einer aktuellen Metastudie aus den USA, deren Ergebnisse einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen der Fluoridkonzentration im Trinkwasser und einem verringerten IQ bei Kindern nahelegt, vor falschen Schlüssen. Die Studienergebnisse haben keine Bedeutung für deutsche Verhältnisse.
Von DGKiZ
Erstellt am 07.02.2025
Ein kleiner blonder Junge füllt sich in der Küche ein großes Glas mit Leitungswasser aus dem Wasserhahn. © mariiaplo – stock.adobe.com

Fluoridierung wichtige Strategie der Kariesvorbeugung

Die DGKiZ hält fest, dass die Fluoridwerte im Trinkwasser hierzulande unbedenklich sind Die Fluoridierung ist vielmehr eine der wichtigsten Strategien der Kariesprophylaxe und wird von den Aussagen der US-amerikanischen Studie keinesfalls infrage gestellt. Vielmehr gilt es, Missverständnissen und verzerrenden Darstellungen entgegenzuwirken.

In den USA hat jüngst ein Gericht zum ersten Mal entschieden, die Fluoridzugabe in einer amerikanischen Gemeinde einzustellen. Dies löste in Amerika eine öffentliche Diskussion um die Fluoridierung von Trinkwasser aus. Auch vor diesem Hintergrund haben die Schlussfolgerungen der neuesten Fluoridstudie dort eine große Beachtung gefunden. Die Wissenschaftler sind bei ihrer Analyse der Fragestellung nachgegangen, ob eine systemische Fluoridaufnahme sich auf den Intelligenzquotienten von Kindern auswirkt.

Wie die DGKiZ betont, wird über die Studie auch in deutschen Medien berichtet, dabei kommt es aber zu einer teils verzerrenden Wiedergabe, was Fluoridgegnern in die Hände spielt und die über Jahrzehnte erfolgreich etablierte Kariesprophylaxe in Deutschland gefährdet. Der Publikation aus den USA liegt eine formal korrekte systematische Literatursuche und Metaanalyse zugrunde. Ihre Ergebnisse belegen aus der Sicht der beteiligten Forscher einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen dem Fluoridgehalt im Urin, der der sich auf die Fluoridkonzentration im Trinkwasser zurückführen lässt, und einem verminderten Intelligenzquotienten von Kindern. Ein solcher Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen dem Fluoridgehalt im Trinkwasser und IQ ist jedoch nicht feststellbar, wenn die Fluoridkonzentration weniger als 1,5 Milligramm pro Liter (1,5 ppm) beträgt. 

In Deutschland lokale Anwendung von Fluorid zur Prophylaxe

Trinkwasser in Deutschland darf nicht mehr als 1,5 Milligramm pro Liter Fluorid aufweisen, die meisten Trinkwässer hierzulande liegen mit weniger als 0,3 Milligramm pro Liter weit unter diesem Wert. Der Fluoridgehalt von Trinkwasser in Deutschland ist somit unbedenklich. In den USA soll fluoridhaltiges Leitungswasser Kinder vor Karies schützen, während in Deutschland die lokale Anwendung von Fluorid bei der Kariesprophylaxe im Vordergrund steht. Insbesondere fluoridhaltige Zahnpasten und Fluoridlacke sind hier von Bedeutung. Nach Angabe der DGKiZ sind die Empfehlungen für die Fluoridierung im ersten Lebensjahr, die in Deutschland umgesetzt werden, sicher und berücksichtigen außerdem die Fluoridaufnahme bei Kindern aus unterschiedlichen Quellen – einschließlich Trinkwasser.

DGKiZ bezweifelt Aussagekraft der Metaanalyse

Kritikpunkte der DGKiZ an der Metastudie bestehen darin, dass viele der Ausgangsstudien Verzerrungen aufweisen und daher nicht von hoher Qualität sind. Zudem stammen 45 der insgesamt 74 mit einbezogenen Untersuchungen aus China, und zwar vielfach aus Gegenden mit von Natur aus hohen Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser. Weiterhin zeigen die berücksichtigten Studien eine hohe Heterogenität. Die Ergebnisse der herangezogenen Studien weichen also stark voneinander ab, was die Aussagekraft der Metaanalyse beeinträchtigt. Zudem kommt eine aktuelle bevölkerungsbezogene Longitudinalstudie aus Australien bezüglich der Assoziation von Fluoridkonzentration im Trinkwasser und dem IQ von Kindern zu anderen Ergebnissen.

Drastischer Kariesrückgang bei Kindern durch Fluorid

Wie Experten der DGKiZ mit Nachdruck betonen, gilt die Kariesprophylaxe mit Fluorid als der Schlüssel zu dem in Deutschland in den letzten Jahrzehnten erzielten drastischen Rückgang der Karies bei Kindern und Jugendlichen. Dieser Erfolg darf nicht durch eine fahrlässige Vermengung mit solchen kritisch einzuschätzenden Studien, die zudem für Deutschland nicht relevant sind, aufs Spiel gesetzt werden. Die bewährten Konzepte der Kariesprophylaxe bei Kindern mit Hilfe von Fluorid sind konsequent beizubehalten.

   

DGKiZ-Fazit

Lesen Sie hier das Statement der DGKiZ zur Fluoridstudie aus den USA. Das Statement und das DGKiZ-Informationsschreiben dazu können Sie online einsehen und herunterladen.

Kein Anlass, die Empfehlungen zur Kariesprävention bei Kindern zu verändern

Eine aktuell publizierte Übersichtsarbeit sowie Medienbeiträge berichten über Zusammenhänge zwischen Fluoridgehalten im Trinkwasser bzw. im Urin und Intelligenzwerten von Kindern. Diesen Publikationen liegen mehrheitlich Studien aus außereuropäischen Regionen mit hohen Fluoridgehalten im Trinkwasser zugrunde. 

Für den in Deutschland gültigen Grenzwert der Fluoridkonzentration im Trinkwasser konnten in der Übersichtsarbeit keine Zusammenhänge zur kindlichen Intelligenz ermittelt werden. Faktisch sind die Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser bei uns in der Regel um den Faktor 5 geringer als dieser Grenzwert. Zudem sind die in der Publikation auch bei hoher Fluoridexposition ermittelten Verringerungen der kindlichen Intelligenz sehr gering. 

Die Publikationen haben keinen direkten Bezug zur Kariesprophylaxe mit fluoridhaltigen Kinderzahnpasten. Daher besteht kein Anlass, die Empfehlungen zur Kariesprävention bei Kindern zu verändern und von den bewährten Konzepten der Kariesprophylaxe mit Hilfe von Fluorid abzuweichen.