Automatische Spracherkennung in der Kieferorthopädie
Automatische Spracherkennungssysteme können gesprochene Sprache direkt in elektronische Textdokumente umwandeln und versprechen damit eine deutliche Entlastung bei der medizinischen Dokumentation. Gerade in der Zahn- und Kieferorthopädie gilt eine präzise und zeitnahe Erfassung von Diagnosen und Behandlungsverläufen als unverzichtbar für eine hochwertige Gesundheitsversorgung. Vor diesem Hintergrund untersuchten Forschende des King’s College London den Einsatz solcher Systeme in der kieferorthopädischen Dokumentation.
Bereits in einer Pilotstudie hatte das Forschungsteam den Zeitaufwand für die Erstellung zahnmedizinischer Dokumentationen verglichen. Dabei zeigte sich, dass der Einsatz von Spracherkennungssystemen gegenüber der manuellen Texteingabe eine Zeitersparnis von bis zu 60 Prozent ermöglichen kann. Aufbauend auf diesen Ergebnissen rückte in der aktuellen Untersuchung die Frage nach der Transkriptionsgenauigkeit in den Fokus.
Für die Analyse wurden rund sechs Stunden kieferorthopädischer Diagnostik- und Behandlungssituationen aufgezeichnet und ausgewertet. Insgesamt testeten die Forschenden zehn unterschiedliche automatische Spracherkennungssysteme. Dabei traten teils erhebliche Leistungsunterschiede zutage. Zwar erwies sich die allgemeine Erkennungsgenauigkeit als hoch, bei der Wiedergabe fachsprachlicher und klinisch relevanter Terminologie kam es jedoch wiederholt zu Fehlern. Für eine uneingeschränkte Nutzung in der Praxis reiche die Zuverlässigkeit daher noch nicht aus.
Das Autorenteam fasst zusammen: „Obwohl der technologische Fortschritt offensichtlich ist und sich fortsetzen wird, bleibt das Ziel einer konsistenten und zuverlässigen Transkription, insbesondere für fachspezifische Terminologie von klinischer Relevanz, eine Herausforderung.“ Um Fehlinterpretationen und Verzerrungen durch automatisierte Prozesse zu vermeiden, empfehlen die Autorinnen und Autoren weiterhin eine Überprüfung der Transkripte durch Ärztinnen und Ärzte. In Zukunft würden Medizinerinnen und Mediziner damit zunehmend von Verfassenden zu prüfenden und bearbeitenden Instanzen ihrer eigenen Dokumentation werden.
Spracherkennungssysteme im Fokus
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Die Studie wurde im Journal of Dental Research veröffentlicht. Wenn Sie mehr lesen möchten, folgen Sie dem Link.