Düsseldorf, 14. Juni 2025 – Dass es im Rheinland eine genügende Zahl an Zahnarztpraxen gibt, ist eine der Kernaufgaben der Kassenzahnärztlichen Vereingung Nordrhein (KZV Nordrhein). Laut dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung gibt es Pläne, sich in die Zulassungsverfahren einzumischen – das ist aus Sicht der Zahnärzteschaft nicht erforderlich.
Auf der Vertreterversammlung der nordrheinischen Zahnärzteschaft ist eines deutlich geworden: Dass etwa der Bürokratieabbau und die Prävention im Fokus des Koalitionsvertrages stehen, ist zu begrüßen. Die Kritik an und die Einflussnahme der Politik auf die Kernaufgaben der KZVen hingegen sieht die KZV Nordrhein kritisch.
Zulassungsbeschränkungen sind falsches Medikament
Andreas Kruschwitz, Vorstandsvorsitzender der KZV Nordrhein, stellte in seinem Vortrag klar: „Wir brauchen beim Thema Sicherstellung bislang keine Hilfe, wir brauchen jedenfalls keine Stöckchen, die man uns zwischen die Beine wirft.“ Gesundheitspolitische Folterinstrumente wie etwa Zulassungsbeschränkungen sind für die Zahnärzteschaft das völlig falsche Medikament, so Kruschwitz. „Das führt nur zu unerwünschten Nebenwirkungen.“
Auch die Pläne der Bundesregierung, Honorarabschläge und -aufschläge je nach Versorgungsgrad zu verteilen, ist zu kurz gegriffen, denn Praxen auf dem Land sind häufig wirtschaftlich gut aufgestellt, da sie genug Patientinnen und Patienten haben. Auch Mitversorgereffekte in den Städten sind in diesen Plänen nicht berücksichtigt.
Die KZVen können und müssen die Sicherstellung, laut Kruschwitz, selbst regeln. „Nichtsdestotrotz werden wir notwendige Forderungen an die Politik stellen. Denn wir könnten als Zahnärzteschaft auf dem Land nicht in Infrastruktur wie Kinos, Schwimmbäder und den ÖPNV investieren.“ Die KZV Nordrhein bringe sich dort ein, wo sie Fachexpertise habe, will aber von der Politik, dass diese sich mit ihrer Expertise einbringt. Deswegen plädiert die KZV Nordrhein gegenüber der Politik für eine Landzahnarztquote, den Ausbau von Studienplätzen an Hochschulen und ein Überdenken des Numerus Clausus (NC) als alleiniges Auswahlkriterium.
„Wir brauchen mehr Köpfe“
Warum das wichtig ist, erläuterte Lothar Marquardt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KZV Nordrhein. Trotz sich nach oben entwickelnden Mitgliederzahlen, (dazu zählen selbstständig tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Angestellte mit mehr als 10 Wochenstunden), sinkt gegenläufig die Anzahl der Praxen seit 2013 stetig ab. Marquardt stellte die Frage „Wie kann das sein?“ Das Problem sei komplex, jedoch zeigen die Zahlen, dass immer mehr Frauen in die Zahnmedizin gehen, diese aber Anstellung und Teilzeitarbeit bevorzugen. „Das ist einer der Gründe, weshalb wir mehr Köpfe brauchen, um die gleiche Arbeit zu schaffen“, erklärte Marquardt.
Dialog statt Diktat
Eine Abhilfe, um mehr Zeit für die Versorgung zu haben, könnte der von der Politik aufgegriffene Bürokratieabbau sein. Auch eine sinnvolle Digitalisierung soll die Praxen unterstützen. Dr. Thorsten Flägel, Vorstandsmitglied der KZV Nordrhein, führte aus, dass schon die elektronische Patientenakte – kurz ePA – trotz Sicherheitsbedenken eingeführt wurde.
Zum 70-jährigen Jubiläum der KZV Nordrhein wünschte sich Dr. Susanne Schorr, Vorsitzende der Vertreterversammlung, Vertrauen in die Fachkompetenz, denn die Selbstverwaltung funktioniere. „Zudem wünsche ich mir Dialog statt Diktat, denn nur im Dialog können wir etwas erreichen.“