Kampagne, Politik

Ärzte, Zahnärzte und Apotheker stehen auch in Nordrhein zusammen

So etwas hatte es bis dahin noch nie gegeben: Ärzte, Zahnärzte und Apotheker standen am 19. Oktober 2023 gemeinsam in den Räumen der Bundespressekonferenz in Berlin, um die Öffentlichkeit über die Missstände in den Praxen und Apotheken Deutschlands aufzuklären. Auch in Nordrhein haben die drei Berufsstände am 14. November 2023 zusammen in einer Pressekonferenz die Medienvertreter informiert.
Von KZV Nordrhein
Erstellt am 14.11.2023

14. November 2024 – „Wir glauben, dass die verheerenden Wirkungen der gegenwärtigen Gesundheitspolitik zu wenig bekannt sind, und möchten auch mit unserer heutigen Pressekonferenz verdeutlichen, was auf dem Spiel steht“, sagte Andreas Kruschwitz, Vorstandsvorsitzender der KZV Nordrhein während der Online-Pressekonferenz. Neben belastenden Faktoren für die Praxen wie die Inflation oder der Fachkräftemangel, die so gut wie jeder Branche zu schaffen machen, betonte er für den zahnmedizinischen Bereich zwei wichtige Punkte:

  1. Die bedeutendste zahnmedizinische Innovation der letzten 20 Jahre in der gesetzlichen Krankenversicherung steht vor dem Aus. Gemeint ist das präventionsmedizinische Großprojekt zur Bekämpfung der Volkskrankheit Parodontitis.
  2. Sich verschlechternde Rahmenbedingungen gefährden die wohnortnahe ambulante Basisversorgung, wie sie die Patienten kennen und schätzen. Vor allem der bürokratische Aufwand schreckt junge Zahnärztinnen und -ärzte ab, eine Praxis zu übernehmen.

Problem Nr. 1: „Diagnose Sparodontose“

Um zu betonen, wie erfolgreich in der Zahnmedizin bereits Prävention geleistet wurde, nannte Kruschwitz die Bekämpfung der Karies. Dabei zitierte er die Deutsche Mundgesundheitsstudie und stellte klar, was Zahnärzte hier bereits geleistet hätten. Gleiches sollte mit der Volkskrankheit Parodontitis passieren. „Als 2021 die Behandlungsstrecke Parodontitis als neue Leistung in die gesetzliche Krankenversicherung eingeführt wurde, hatten wir guten Grund anzunehmen, dass auch hier die Krankheitslast stark zurückgehen würde“, so Kruschwitz.

Das GKV-Finanz-Stabilisierungs-Gesetz hatte das Ziel, eine finanzielle Schieflage der Krankenkassen durch Einsparungen zu verhindern. Das sei nachvollziehbar, erläuterte Kruschwitz. „Wenn aber die nicht beabsichtigte Folge der kruden Sparvorgabe das Scheitern einer anerkannt sinnvollen Behandlungsform ist, die kostenintensive, schwere Folgeerkrankungen verhindern kann, müssen wir im Interesse unserer Patienten unsere Stimme erheben.“

Er berichtete weiter: „Das Gesetz bewirkt schon jetzt, was es soll. Die Praxen treten auf die Bremse, weil sie sonst Leistungen erbringen würden, deren Kostenaspekte nicht gegenfinanziert sind. Natürlich werden Patienten mit dringendem Handlungsbedarf nicht abgewiesen.“ Aber ausgerechnet die Prävention bleibe wieder einmal auf der Strecke. Es wird es für GKV-Patienten am Ende längere Wartezeiten auf die Parodontitisbehandlung und -nachsorge geben. Dies bedeutet aber nichts Anderes als Leistungskürzung durch die Hintertür.

„Mit mir wird es keine Leistungskürzung geben“, war eines der ersten Versprechen, die Prof. Lauterbach als Gesundheitsminister gegeben hat. Wenn er dieses Versprechen halten will, dann muss er die Parodontitis-Leistungen vollständig aus dem Budget herausnehmen und das Gesetz entsprechend ändern, forderte Kruschwitz.

Problem 2: Bürokratie im Gesundheitswesen

„Haus- und zahnärztliche Praxen bilden zusammen mit den Apotheken als wohnortnahe Grundversorger die Basis unseres einzigartigen Gesundheitssystems in Deutschland. Wir haben mit Abstand die meisten Patientenkontakte“, erläuterte Kruschwitz weiter.

Dennoch mache die Gesundheitspolitik die Ausübung des zahnärztlichen Berufs in freier Praxis immer unattraktiver: Immer neue Gesetze und Normen haben zu einem ungesunden Übermaß an Verwaltungsaufwand geführt. Durchschnittlich 24 Wochenstunden verbringt eine Praxis laut einer aktuellen Umfrage der KZBV mit Verwaltungsarbeit. „Das muss sich ändern, und zwar schnell. Denn sonst findet die Generation, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand geht, keine Nachfolger“, führte Kruschwitz aus. 

„Wir haben unsere Praxen gefragt, unter welchen verzichtbaren Vorschriften sie am meisten leiden.“ Kernpunkte des Maßnahmenkatalogs der Zahnärzteschaft waren die Abschaffung von doppelten oder übertriebenen Dokumentationspflichten in den Bereichen Hygiene und Qualitätssicherung. Das könne man umsetzen, ohne Patientensicherheit und Behandlungsqualität zu gefährden.

Die Kampagne: Zähne zeigen

„Wir Zahnärzte haben das Gefühl, gerade weil bei uns alles so reibungslos läuft, werden wir mit Nichtbeachtung gestraft. Muss man erst tief in der Krise stecken, um gehört zu werden?“, fragte Kruschwitz in die Runde. „Das wollen wir nicht hinnehmen und haben uns entschlossen, ebenso wie die anderen Heilberufe eine Kampagne auf den Weg zu bringen.“

„Wir werden weiter für unsere Forderungen kämpfen. Der Schulterschluss zwischen den Körperschaften und Verbänden der ambulanten Versorgung ist bemerkenswert und für sich schon ein Zeichen, wie ernst die Lage ist. Durch die Bündelung der Kräfte hoffen wir, ein Umdenken auf Bundesebene herbeiführen zu können. Dabei sind wir auch auf die Unterstützung unserer Patientinnen und Patienten angewiesen. Jeder kann mitmachen – wie, erfährt man auf der Seite zaehnezeigen.info“, sagte Kruschwitz zum Abschluss der Pressekonferenz.

Pressekontakt

Frau Edmonds
Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit
Herr Deckers
Öffentlichkeitsarbeit